Magersucht, Bulimie, EDNOS, etc.
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Essstörungen

Mo 13. Jul 2009, 22:43

Essen, Nahrungszuführung, eine ganz normale Sache für die meisten Menschen. Man tut es tagtäglich, es gehört zu einem normalen Tagesablauf. Jeder tut es, der Banker der im Anzug schnell eine Currywurst an der Bude ist, die Hausfrau die mit je einem Kind links und rechts am Herd steht oder das verliebte Pärchen dass genussvoll am abend bei Kerzenschein sitzt.

Doch da gibt es noch die andren, die „Nichtnormalen“, die die das Essen als nichts Normales ansehen, die sich nicht nur zu drei Zeiten des Tages mit dem Thema beschäftigen, die Probleme haben vor anderen Menschen zu essen und tagtäglich in einem Teufelskreis gefangen sind. Die, dass sind 15 jährige Mädchen die in der Schule gehänselt werden, weil sie 2 kg zu viel auf den Hüften haben. Das sind Mütter von 3 Kids die sich zu dick fühlen weil ihr Mann sie beim Zu Bett gehen einmal zu oft schief gemustert. Das ist das Model, dass den nächsten Job nur bekommt wenn die Brüste weg sind und die Knochen hervorstehen. Es kann jeder sein, du und ich.

Viele stellen sich zwangsläufig junge Mädchen oder Models vor, die sich den Finger in den Hals stecken, Watte essen oder mit einer Nährsonde in der Nase im Krankenhaus liegen. Doch das Ganze ist viel komplexer. Es gibt die verschiedensten Ausprägungen dieser Krankheit . Das Tückische daran ist, dass die Probleme oft unerkannt bleiben, da man eben nicht allen Essgestörten ansieht, wie krank sie wirklich sind. Natürlich gibt es die dünnen Mädchen die irgendwann im Schulsport zusammenklappen, doch eine an Bulimieerkrankte ist sehr oft nach außen hin normalgewichtig ist, kann aber trotzdem jederzeit umfallen, da ihr ganzer innerer Haushalt durcheinander und verfälscht ist. Bei ihr sind die Schäden innerlich und da die meisten Essgestörten ihre Symptome krampfhaft verstecken wollen, passiert es immer öfter, dass erst durch einen Zufall alles herauskommt. Zum Beispiel wenn dem Zahnarzt die Schäden am Zahnschmelz auffallen oder das Bl*t getestet wird.
Adipositaserkrankte dagegen fallen durch ihr Gewicht auf. Eine dicke Person die uns bei Mc Donalds gegenüber sitzt und scheinbar genussvoll in einen Hamburger beißt fällt uns immer auf und wir denken, warum noch mehr Fett, wieso lässt sie sich so gehen, das ist ja ecklig. Doch was in dieser Person alles vorgeht, wie sie sich tagtäglich quält und wie weh Blicke und Kommentare tun können, daran denken wir gar nicht. Viele wissen nicht mal dass sie krank ist. So mancher denkt sich, ach was ist daran unnormal dass ich morgens eben nichts esse, mittags einen Apfel im Büro knabbere und abends nur eine Süppchen zu mir nehme?! Das dazu noch das stundenlange kcal zählen kommt, die ständigen angstvollen Blicke auf die Waage, das Schweißausbrechen wenn man an Schaufenster vorbeigeht und sich erblickt oder das Schwarzwerden vor Augen wenn man sich zu schnell bewegt, fällt einem schon gar nicht mehr auf, denn es ist alltäglich geworden.

Als Essgestörte hasst man das Essen nicht. Man verbannt es auch nicht aus dem Kopf. Nein, ganz im Gegenteil, die Gedanken kreisen ständig darum. Immer und immerzu denkt man darüber nach was man an diesem Tag noch essen kann, was man sich noch erlauben darf, was man sich verbietet, wieviel kcal dieses Stück Brot nun hat, ob sich die Schokolade wieder leicht ausbrechen lässt, wieviel Wasser man noch trinken kann, damit man auf der Waage des Arztes mehr wiegt und und und. Streifzüge durch den Supermarkt sind nicht einfach so mal möglich und etwas was man gern vermeidet oder zwanghaft betreiben muss. Stundenlang kann man sich vor den bunten Süßigkeitenregalen herumdrücken, der Speichel sammelt sich vor Lust im Mund, man giert nach diesem und jenen und steht dann schließlich an der Kasse. Entweder mit einem gefüllten Korb und einem Gewissen das einen als Versager beschimpft oder mit knurrendem Magen, einem Diätjoghurt, Knäckebrot und einem stolzen Lächeln auf den Lippen, weil man es geschafft hat zu widerstehen, stark zu sein und sich selbst mal wieder gezeigt hat wieviel Willenskraft in einem steckt. Man hat die Kontrolle in diesem Moment. Sobald aber der Gier nachgegeben wurde ist da der Kontrollverlust, der alle Essgestörte gleichermaßen erschreckt. Sie wollen bestimmen was mit ihrem Körper geschieht, wollen die Fäden in der Hand haben und ihren Körper so formen wie sie es mit ihrem verzerrten Wahrnehmungsbild als schön empfinden. Man kann all diese Krankheiten unheimlich gut verstecken und vor dem Umfeld geheimhalten. Es gibt unzählige Tricks und als Essgestörte wird man zur bodenlosen Lügnerin und Geheimnisswahrerin.

Mo 13. Jul 2009, 22:43

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